Talking Heads

Für eine städtische Ästhetik des Gesprächs

«Man kann sagen, die Fassade ist für ein Bauwerk das, was die Physiognomie für den Menschenleib ist: diese zeugt von der Beschaffenheit der Seele, jene erlaubt das Innere des Gebäudes zu beurteilen.»

Jacques Francois Blondel

1 Ich folge damit der These der Zürcher Stadträtin Ursula Koch (SP) am 16. März 1988 über die bauliche Weiterentwicklung (nicht nur) der Stadt Zürich sagte: «Wir werden in Zürich in den nächsten Jahren kein quantitatives Wachstum, sondern grosse qualitative Verbesserungen benötigen. Die Stadt ist gebaut. Sie muss nicht neu-, sondern umgebaut werden.»



Die Stadt ist in grossen Teilen gebaut1 und die Arbeit mit und durch den Bestand gehört zu den ersten Geboten unserer Zeit. Insbesondere die grosse Zahl an Wohnbauten bestimmte und bestimmt bis heute Form und Erscheinung und damit auch die Stimmung unserer Städte und aus diesem Grund stehen ausgewählte Beispiele von Fassaden dieser Bauaufgabe im Zentrum des vorliegenden Textes. Bis heute gehen die Auffassungen darüber, was eine Fassade sein soll, was ihre Aufgaben seien, weit auseinander. Nicht zuletzt die Frage nach ihrer effizienten Konstruktion mit Blick auf die Klimatisierung des Innenraumes wurde immer schon als grosse Herausforderung für die Verbindung von Ästhetik und Haustechnik begriffen. Diese Frage ist in den letzten Jahren immer dringlicher gestellt worden und unter dem Einfluss der klimatischen Katastrophe hat sich auch der Abstand zwischen den scheinbar widerstreitenden Aufgaben der Fassade, insbesondere zwischen Ästhetik, Ökologie und Ökonomie extrem vergrössert. Wobei aus dem Blick geriet, dass weder die Techniken der Klimatisierung noch die erforderliche Ökonomie der Ästhetik widersprechen, beziehungsweise ästhetisch ansprechende Bauten verhindern.

Gerade und herausragend hat die ästhetische Bearbeitung unserer städtischen Hausfronten, wozu ich neben Neubau auch Pflege und Erhaltung zähle, eine existentielle Funktion für unsere Gesellschaft. Das soll hier im Folgenden dargelegt und an einer besonderen Parallelität verdeutlicht werden. Dafür muss zunächst daran erinnert, werden, dass Fassade auf den lateinischen und dann italienischen Begriff facies / facciata für «Gesicht» zurückgeht. Sicherlich hat auch das französische facade das seinige zu unserer «Fassade» dazu getan.

Unabhängigkeit und Ähnlichkeit

Das erste neuzeitliche Portrait als gemaltes Bildnis realer Personen taucht in Florenz im 15. Jahrhundert erstaunlich zeitnah zur in der gleichen Stadt realisierten ersten Fassade als «Gesicht» des Hauses auf. So portraitierte Filippo Lippi 1440 das einander im Profil zugewandte Paar Lorenzo di Ranieri Scolari und Angiola di Bernardo Sapiti. Nur knapp zehn Jahre später, um 1450 beginnt der Bau des Palazzo Ruccelai für Giovanni Rucellai nach einem Entwurf von Leon Battista Alberti

2 Hans Belting, Faces Eine Geschichte des Gesichts, 2. Auflage 2014, S. 118ff.

3 Vgl. hierzu auch sehr differenziert: Jan Elder

Was passierte hier? Von heute aus betrachtet folgendes: Im Portrait und in der Fassade werden vorübergehende Momente der Begegnung, wird das Anschauen verfestigt und in eine Form gebracht. Wir erfahren diese Form als wohltuende Versicherung unserer leiblichen und unserer seelischen Anwesenheit. Und noch etwas geschieht im Moment der Formgebung durch das Portrait und die Fassade: Wir balancieren unseren Platz zwischen Eigenwilligkeit und Gesellschaftlichkeit aus. Wir erproben einerseits unsere Individualität und zur gleichen Zeit lernen wir, das Gegenüber als gleichfalls eigenwillig zu respektieren. Wir festigen also beides: unsere Unabhängigkeit von und unsere Ähnlichkeit mit den anderen, und auf diese sehr widersprüchliche Weise festigen wir unseren Platz in der Stadt, in der Gruppe. Und es kommt ein drittes hinzu: Gesellschaft verändert sich und die Widersprüchlichkeiten in unseren Gesprächen mit der Gesellschaft, die uns umgibt, führen zwangsläufig dazu, dass die Formen der Fassaden und der Portraits, dass ihre Erscheinungen sich verändern. Die Vergewisserungen werden immer wieder angezweifelt, neue Darstellungsweisen erprobt, denn jedes «Gesicht», das in ein Bild übersetzt wird, ist immer auch – wie Hans Belting in seinem beeindruckenden Buch Faces. Eine Geschichte des Gesichts dargelegt hat, eine Maske.2 Mit der Maske einer sozialen Rolle oder eines Wunschbildes für die Gesellschaft ziehen wir quasi die Ähnlichkeit mit anderen an, wir gleichen uns an. Unsere Unabhängigkeit und Individualität bleiben trotzdem als Einzigartigkeit erkennbar.

Solche Aushandlungen über unsere Verbundenheit und Unabhängigkeit in Architektur und den Bildern von uns selbst brauchen viel freien Raum und Zeit. Mir scheint es aber so, als ob das «sich Zeit geben» dort, wo aktuell die meisten Bilder entstehen, also im Internet, überhaupt keine Rolle mehr spielt. Die Schnelligkeit hat gesiegt und das in einem «Raum», der hyperabstrakt ist. Als Folge hiervon fehlt den netzbasierten Produkten wie der sogenannten Medienfassade und ihrem Pendant dem Selfie eine körperlich/räumlich verankerte und damit eine ästhetische Kraft der Konzentration.3

Stadtgesellschaft, Fassade und Portrait

Das 1540 posthum entstandene Portrait Giovanni di Paolo Rucellais im Kreis der von ihm in Auftrag gegebenen Gebäude in Florenz führt die Parallelisierung von Portrait und Fassade in geradezu dramatischer Vehemenz vor. Rucellai gelingt es, sein Leben in Florenz als Bankier und Kunstmäzen ruhig und gleichwohl einflussreich zu steuern, trotz der freundschaftlichen Nähe seiner Familie zu derjenigen der Strozzis, die nach der Machtergreifung der Medici 1434 aus der Stadt verbannt werden. Rucellai bleibt, er freundet sich mit Cosimo Medici an, und er zieht sich aus dem öffentlichen Leben der Stadt für 27 Jahre zurück.

4 Anh-Linh Ngo, mit Sascha Kellermann, Fassadenmanifest Editorial, in: Arch+, Oktober 2021, S. 03.

5 Hanna Arendt, Macht und Gewalt, München Zürich 1970, S. 45.

6 Jacques Francois Blondel, Encyclopedie, VI, 1756, S. 355.

7 C. F. Roland Le Virloy, Dictionnaire de L’Architecture, I, Paris 1770, S. 565.

8 Vgl. Hartmut Rosa, Resonanz, Eine Soziologie der Weltbeziehung, Berlin 2016, besonders Kapitel 4, Stimme, Blick und Antlitz.

9 Victoria I. Bonato, Love, Beauty, and Memory: An Examination of Fra Filippo Lippi’s Double Portrait, Thesis, Master of Arts, University of California, Riverside, 2022. S. 49 ff.

10 Ebd, S. 50

11 Vgl. Hans Belting, Faces, S. 193ff.

In gewisser Weise könnte man also sagen, dass mit der Fertigstellung der Fassade seines Palazzo um das Jahr 1455, seine Rückkehr in den öffentlichen Raum beginnt. Insbesondere als diese, wie bereits angedeutet, eine neuzeitliche Idee der vorderen, zur Strasse gewandten Front des Hauses als sein «Gesicht» zum ersten Mal in einer europäischen zum ersten Mal werden die bereits bekannten Elemente einer Vorderfront so zusammengefügt, dass eine Fassade entsteht, die im Unterschied zu den eher Schutzburgen gleichenden Palästen anderer Florentiner Familien, ihre Privatheit dem öffentlichen Raum freundlich und einladend zuwendet. Diese Entwicklung ist eine europäische und neuzeitliche. Wir kennen, abhängig von Zeit, Ort und Gesellschaft, und sicher auch in starker Abhängigkeit vom Klima Ideen von privatem Leben, die keinerlei Einblicke zulassen, sondern sich ganz zum inneren Garten oder Hof ausrichten.

Die hier vertretene Überzeugung, dass die europäische Geschichte städtischer Fassaden auf der ästhetisch geformten Idee ihrer sozialen und emphatischen Zugewandtheit beruht, bei aller Anerkenntnis einer schweigenden und rätselhaften Seite, unterscheidet sich markant von denjenigen Interpretationen, die politisch entschieden engagierte Autorinnen und Autoren in der einschlägigen Fachliteratur immer wieder diskutieren. In der Sicht dieser Architekturkritik stammen Idee und Ausstattung der Fassaden aus einer vormodernen, feudalen Zeit und haben deshalb, weil sie immer deren Botschaften transportierten, heute ihre Legitimation verloren. Ihre Höflichkeit, die geschickte Vermittlung zwischen Innen und Aussen, zwischen Privat, halb Privat und Öffentlich wird als Lüge diskreditiert, als Schleier, der nur täusche, anstatt die Wahrheit des Inneren zu zeigen. Für diese immer wieder auftauchende Ablehnung bietet das im Oktober 2021 publizierte Fassadenmanifest der Arch+ ein herausragendes Beispiel. «Das vorliegende Heft schaut der zeitgenössischen Stadt ins Gesicht, versucht, hinter ihre Masken zu blicken und den Wert ihrer Bildnisse einzuschätzen». Im Zentrum des Editorials steht die Annahme, dass Fassaden seit ihrer Erfindung im 15. Jahrhundert - und der Palazzo Rucellai bietet ein herausragendes Beispiel - vor allem «die Programmatik der Macht» verkörperten.4 Nur kurz sei hier angedeutet, dass mit Hannah Arendts Definition von politischer Macht eine andere Lesart der politischen Bedeutung städtischer Fassaden möglich ist. «Macht entspringt der menschlichen Fähigkeit, nicht nur zu handeln oder etwas zu tun, sondern sich mit anderen zusammenzuschließen und im Einvernehmen mit ihnen zu handeln. Über Macht verfügt niemals ein Einzelner, sie ist im Besitz einer Gruppe und bleibt nur so lange existent als die Gruppe zusammenhält.»5

Und so steht hier die schon angedeutete These im Zentrum, dass Portrait und Fassade Teil unserer letztlich ununterbrochenen Kommunikation, unseres vielschichtigen Gesprächs mit der Gesellschaft sind, in der wir leben.

Eine städtische Ästhetik des Gesprächs?

1756 ist die Auffassung, dass die Fassade ein kommunizierendes «Gesicht des Hauses» darstelle, ein fait accompli der Architekturtheorie, und das seit fast dreihundert Jahren. Jacques Francois Blondel, Architekt und Städteplaner im Auftrag des Königs in Paris, erläutert die zentrale Bedeutung der Metapher für den öffentlichen Raum folgendermassen: «Fassade. Sie ist das Frontispiz oder die äußere Gestalt eines Gebäudes. […] Von der Dekoration der Fassade eines Gebäudes her muss man die Bedeutung desselben, das Motiv, aus dem heraus es gebaut ward, und die Würde seines Besitzers beurteilen; in ihrer Gliederung manifestiert sich die Fähigkeit eines Architekten und aus ihr ersehen die intelligenten Menschen, welche Beziehung zwischen dem Äußeren und dem Inneren er gestiftet hat […] Man kann sagen, die Fassade ist für ein Bauwerk das, was die Physiognomie für den Menschenleib ist: diese zeugt von der Beschaffenheit der Seele, jene erlaubt das Innere des Gebäudes zu beurteilen. Es ziemt sich, dass der Architekt eine Art von Dekoration wähle, welch die heiligen Monumente, die öffentlichen Bauten, die königlichen Häuser und die privaten Wohnstätten eindeutig als solche kennzeichnen.»6

Blondels Eintrag in der Encyclopedie lässt keinen Zweifel daran, dass die vornehmste Aufgabe der Fassaden darin besteht, zur Orientierung beizutragen, indem sie zwischen der öffentlichen Sphäre und den im Inneren der Gebäude verborgenen Räume und ihren Funktionen vermittelt. Heilig? Privat? Städtisch? Königlich? Bürgerlich? Alternativ? Auch wenn sich das Spektrum der Bauaufgaben in der Stadt verschoben und erweitert hat: Die architektonische Formulierung der Verständlichkeit und Zugänglichkeit bleibt dringend und aktuell.

In den Kommunen Flanderns und Norditaliens beginnt schon im Mittelalter die europäische Entwicklung einer allen Stadtbewohnern überall zugänglichen öffentlichen Sphäre, die sehr eng mit der städtischen Grundrissstruktur verbunden war. Diese wurde und wird zu einem erheblichen Teil von der grossen Zahl an privaten Wohngebäuden geformt, die Strassen und Plätze einfassen. Deren Fronten sind es auch, an denen nach 1450, in Folge des Entwurfs von Alberti für Rucellai, das Konzept der Fassade als ästhetische Aufgabe der Kommunikation zwischen den Mitgliedern der Stadtgesellschaft und natürlich im Gegenüber aller öffentlichen Gebäude, wie Kirchen, Rathäuser, Stadthallen, etc. erprobt wird. Variation und Dichte der Lösungen für die Teilnehmer des Gesprächs, mithin den Fassaden, beruhen dabei auf einer Eigenschaft der Stadt, die in ihre DNA eingeschrieben ist. Die Rede ist von der Massstäblichkeit der Parzellierungen, die insbesondere in den Vierteln für Wohnen, Handwerk und Handel äusserst eng getaktet waren. Die mittlere Grösse einer Parzelle im Stadtgefüge lag und liegt zwischen ca. 6 und 12 Meter Breite auf ca. 20 Meter Länge. Und auch ihre Höhe – zumindest als Wohnhaus – kreiste um ein bestimmtes Mass, das natürlich lange Zeit mit den Möglichkeiten des Hinaufsteigens verbunden war. Die Stabilität dieser Abmessungen seit Jahrhunderten, die eng mit allen Praktiken des täglichen Lebens verknüpft sind, und die die ökonomische und kulturelle Partizipation möglichst vieler am Stadtleben sicherstellen sollte, ist äusserst erstaunlich.

Dass die Fassadengestaltung/Parzellierung der Bewegung der Blicke in unserem Vorwärtsgehen und unserem Verstand und unserem Gefühl unmittelbar zugänglich sein soll, dass das «Gesicht des Hauses» also unserem Gesichtskreis korrespondieren sollte, wird durch einen weiteren Zeugen des 18. Jahrhunderts bekräftigt: Roland de Virloys schreibt 1770: die «Facade […] – ist das Äußere eines […] Bauwerks, welches man mit einem Blick übersieht. Es gibt einfache Fassaden und andere, die mehr oder weniger prunkvoll sind.»7 Können wir also behaupten, dass Einzelhausähnlichkeit und Kleinteiligkeit – ohne Kleingeistig zu werden – Ausdruck einer Zugewandtheit sind, die uns wohltut? Oder müssen wir, selbst wenn sie wohltuend sind, beide Eigenschaften als Lüge und falschen Schein zurückweisen? Denn sie entsprechen in vielen Fällen überhaupt nicht mehr den realen ökonomischen Verhältnissen. Hinter schmalen Altbaufassaden können sich durchgehende Shoppingmalls verbergen, hinter neu erstellten kleinteiligen Fassaden, die Einzelhäuser andeuten, könnte ein großes Hotel untergebracht sein. Weder das Eigentum an Boden noch die tatsächliche Nutzung der baulichen Struktur werden also abgebildet. Das stimmt, aber erstens war es nie die Idee der Fassade, nur ein treuer Spiegel des Inneren zu sein, sie war immer auch ein Ort der Vermittlung und Transition, des Verbergens und Schminkens zugunsten ihrer Soziabilität, ihrer Teilnahme am gemeinsamen öffentlichen Leben. Vielleicht wäre es also, trotz einer Diskrepanz zwischen Innen und Aussen richtig das Bild der Kleinteiligkeit zu bewahren oder wieder herzustellen, weil es unserer Wahrnehmung und unserem Gefühl unmittelbarer zugänglich ist. Und zudem bin ich zweitens davon überzeugt, dass unsere Städte gerade in ihren Zentren eine sehr viel stärker ausdifferenzierte Ökonomie - in den Erdgeschossen ihrer Wohnhäuser - unterstützen sollten. Geschieht dies zunächst über die Bewahrung des Bildes von zurückhaltend dimensionierten Einzelhäusern, so schafft man damit Resonanz.8 Man schafft über die ästhetische Form eine Zuversichtlichkeit, die möglicherweise zu einer Rückgewinnung kleinteiliger ökonomischer Strukturen von Handel und Handwerk führt. Und auch allen Formen des Dienstleistungssektors – öffentlichen wie privaten – stünde eine Abkehr vom Prinzip SUV, also grösser, breiter, höher äusserst gut zu Gesicht. Die Probe aufs Exempel steht aus. Zu verlieren haben wir gar nichts.

Selbstbewusstsein zwischen Pracht und schöner Einfachheit

Wenn man die Verantwortlichkeit der Eigentümerschaften von städtischen Häusern zur fortlaufenden Pflege und zum Erhalt ihrer Gebäude und deren «sprechenden Gesichtern» viel stärker als bisher einfordern würde, wäre ein grosser Schritt getan. Dass in Krefeld, wo ich lebe, wie auch in vielen anderen Kommunen, ganze Strassenzüge und Viertel zu Sanierungsfällen erklärt werden müssen, in denen sogenannte Schrottimmobilien vor sich hindämmern, ist zum Teil Ergebnis gescheiterter Stadtbaupolitik. Es ist aber auch Ergebnis des Rückzugs von Besitzerinnen und Besitzern aus dem «Gespräch mit der Stadtgesellschaft. Oft leben sie nicht einmal mehr in der Stadt und lassen ihre Häuser mehr schlecht als recht verwalten. Das ist nicht gut. Welches Bild macht sich jemand von sich selbst, der so handelt?

Und welches Bild von sich selbst machten sich die Mitglieder der florentinischen Stadtgesellschaft in der Mitte des 15. Jahrhunderts? Sie erlebten das neue, freundliche Gesicht des Palazzo Rucellai und sie wünschten sich am gleichen Ort, sicherlich inspiriert durch Jan van Eyck und dessen Portraits in Flandern, vergleichbare Bildnisse, deren zauberhafte Lebensähnlichkeit immer etwas Geheimnisvolles behielt. Durch Wirtschaft und Handel wohlhabend geworden, hatte Florenz ein neues System politischer Selbstverwaltung geschaffen. Und die Stadtgesellschaft entwickelte, trotz aller Konflikte und Spannungen untereinander, ein dichtes Netz an politischen, persönlichen und kulturellen Beziehungen und übernahm Verantwortung für die Gestaltung der Grenzen zwischen öffentlichem und privatem Raum. Dem neuen, stadtbürgerlichen Selbstbewusstsein gaben Architektur und Kunst durch Fassaden und Portraits den entsprechenden Ausdruck.

In den frühen Portraits wurden einerseits – wie bereits erwähnt - die gesellschaftlichen Masken sozialer Rollen vorgeführt. Reichtum, Geschmack und Bildung, der Stand und das Geschlecht kommen in Kleidung, Frisuren, Schmuck, den Gesten der Hände und in der Körperhaltung zum Ausdruck. Andererseits wollte man eindeutig als Person und Individuum erkannt werden. Die Maske der sozialen Rolle bleibt also immer transparent. Deshalb sorgt man durch eindeutige Zeichen für Erkennbarkeit. Auf dem eingangs erwähnten Doppelportrait gibt der Maler Filippo Lippi dem Mann die heraldischen Zeichen der Familie Scolari in die Hände.9

Lorenzo di Ranieri Scolari und Angiola di Bernardo Sapiti erscheinen vor beziehungsweise hinter einer Rahmenarchitektur von zwei Fenstern, links im Bild und hinten. Wir schauen also durch eine dritte imaginäre Öffnung in einen Wohn-Raum hinein und zugleich hindurch, geniessen den Ausblick auf Gebäude und Alleen. Im Vordergrund führt Angiola, nach links gewendet, alle Insignien einer luxuriösen, modisch französischen Kleidung vor, inklusive eines flämischen Kopfputzes mit kostbarem Tuch. Lorenzo wiederum schaut von aussen links durch das leicht schräg gestellte Fenster, sein Profil wird gekrönt von einer leuchtend roten Kappe. Die gesamte Performance «inszeniert die öffentliche Persona»10 von Frau und Mann und ihre familiäre Bindung. Sie inszeniert ihre politische und soziale Verankerung in der florentinischen Gesellschaft und sie verweist mit den übereck gestellten Fenstern in aller Deutlichkeit auf den Raum dieser stolzen Repräsentation, nämlich auf die Fassaden oder eben das öffentliche Gesicht des privaten Wohnhauses. Und genau am Übergang zwischen diesen beiden Sphären der stolzen Kommunen entsteht das moderne Portrait und es wird bis in die Gegenwart hinein auf dieser Schwelle balancieren. Und auch die Verbindung von sozialer Rolle und individueller Persönlichkeit bleibt in der Portraitmalerei durch die Jahrhunderte hindurch erhalten. Selbst die Fotografie kann die Maske der Rollen nicht abschaffen und schon gar nicht das Selfie.11

12 Leon Battista Alberti, Zehn Bücher über Architektur, Darmstadt 1975, S 223. Leon Battista Alberti, Dieci libri de l'architettura, Venedig 1546, Buch 5, fol. 195 recto. La faciata de la casa & il vestibulo siamo ornate.

13 Vicenzo Scamozzi, Dell’ Idea della Architettura universale, Venezia 1615, I, 3, S. 318-319.

14 Wolfgang Kemp, Architektur analysieren. München, 2009, S. 235.

Architektur für uns

Auf der Abbildung des Palazzo Rucellai in einer seitlich aufgenommen Fotografie wird sehr klar, dass seine Fassade im Grunde genommen dem Gebäude vorgestellt wurde. Und in der Tat hat der Bauherr mit der Front des Palazzo mehrere ältere Gebäude, die sich im Familienbesitz befanden, zusammenfassen lassen. An die schmaleren Parzellen erinnern die beiden gleich behandelten Eingangstüren, für die sich Alberti entschied, anstelle der Setzung eines einzigen mittleren Tores. Die Mitte wird gleichmütig in die sieben Achsen der Front einbezogen und ist mit denselben Lisenen markiert, die die gesamte Fassade zwischen den grossen Biforenfenster, gleichmässig und flach, wie gezeichnet, strukturieren. Leon Battista Alberti ist mit dieser Hausfront ein architektonisches Fanal gelungen. Technisch und ästhetisch. Und er ist der erste Architekt der Neuzeit, der den Begriff Fassade konzeptuell verwendet und ihre praktische Konstruktion in der ersten Niederschrift seiner Zehn Bücher über Architektur erläutert. 1485 erstmals im Druck erschienen, können wir in dieser Abhandlung also lesen: «Die Fassade und das Vestibül sind geschmückt».12 Alberti betont energisch, dass dieser Schmuck für die Öffentlichkeit gedacht sei. Und er setzt noch nach: «Für Alle.»Zur Idee dieses neuen Phänomens gehört auch zwingend ihre Bildhaftigkeit, ihr Charakter als Maske. Vincenzo Scamozzi wird im 17. Jahrhundert die Idee, dass die Front des Hauses sein Gesicht sei, sehr direkt übersetzen: die Fenster sind die Augen des Hauses, sie empfangen das Licht, die Tür ist der Mund, durch den Dinge hinein und hinausgetragen werden.13 Diese direkte Analogie allerdings verstellt den Blick auf die architektonische Kraft der Metapher. Sie forderte und fordert dazu auf, mit der Fassade grundsätzliche Fragen von Materialität und Konstruktion, von Grösse, Proportionierung und Detaillierung des Schmucks immer hinsichtlich des unablässigen Gesprächs mit den «Gesichtern» der Nachbar-Bauten zu beantworten. Jedes «Gesicht» ist individuell, entsprechend der Lebenspraxis seiner Bewohnerinnen und Bewohner, aber auch engagiert und zugewandt und damit immer auch höflich und maskiert zugunsten des sozialen Zusammenhalts.

So haben an der Geschichte der veränderten Bedeutung und der Teilhabe am öffentlichen Raum die Fassaden privater Wohnhäuser als die Gesichter der Stadt entscheidenden Anteil. Entsprechend hat der Architekturhistoriker Wolfgang Kemp 2009 in seinem grossartigen Buch über die Analyse der Architektur im Kapitel «Die Fassade» folgendes festgehalten: Es gibt ein «[…] westliches Ideal von Bauwerk und architektonischem Kontext, das seit dem Mittelalter gilt und das vielleicht die stärkste Konvention und eine der größten Errungenschaften unserer Baukultur darstellt. Danach interagieren beide Größen, Bau und Außenraum, in einer Art ewigem Dialog, face to face, und unterscheiden sich so markant von der Architektur vieler südlicher Regionen seit der Antike, wo das Haus sich von der Straße abkehrt. […]» Es sei, so fährt Kemp fort «die Entscheidung für eine Architektur des ‹Zuhandenseins›, des ‹pour nous› im Gegensatz zu einer Architektur des ‹Vorhandenseins› und des ‹en-soi› […]»14

Im Verlauf der langen Geschichte europäischer Städte sind die Fassaden privater Wohnhäuser natürlich immer auch Ausdruck des jeweiligen Zeitstils, also der Mode, sie folgen der Geschichte der Formensprache und Konstruktionsweisen der Orte, an denen sie gebaut werden. Sie spiegeln zugleich die persönlichen Vorlieben der Besitzerinnen und Besitzer und natürlich die Haltung oder das Arbeitsethos von Architekten und Architektinnen. In all diesen widersprüchlichen Eigenschaften bleiben sie dennoch und vor allem mit Wolfgang Kemp gesprochen: eine Architektur für uns. Völlig unabhängig davon, dass sich hinter den Mauern und Fenstern ein privates und ein intimes Leben verbirgt. Exzessive Selbstdarstellung gehört so wenig zur städtischen Fassade der Wohnhäuser wie das Gegenteil, nämlich schweigsame Abstraktion.

Nieuw Delft

15 Vgl. Bettina Köhler, «Stadthaus», in, Enzyklopedie zum gestalteten Raum Zwischen Stadt und Landschaft, Hg. Vittorio Magnago Lampugnani, Konstanze Sylva Domhardt, Rainer Schützeichel, Zürich 2014, S. 414.

Niederländische Städte bieten uns noch heute das überraschende Bild einer gelungenen Verbindung von anregender Vielfalt und diszipliniertem Zusammenklang. Dazu trägt sicher eine strikte Anerkennung von Gestaltungssatzungen bei, aber auch eine unausgesprochene gesellschaftliche Übereinkunft, die die individuelle Selbstdarstellung immer eingebettet in eine grössere Gemeinschaft zügelt. Bereits im siebzehnten Jahrhundert können wir diese spezifische Eigenart der holländischen Gesellschaft in Bildern und im Städtebau beobachten. Bei aller Erfindungslust, künstlerischer Kreativität und wirtschaftlichem Erfolgsgeist ihrer einzelnen Mitglieder legte diese Gesellschaft grössten Wert auf einen immer wieder auszuhandelnden Konsens. Ein wunderbares Familienportrait von Pieter de Hooch lässt dies unmissverständlich klar werden. Die sehr individuellen Gesichter der Familienmitglieder schweben über modischen, fein gefalteten weissen Kragen, die – in den Formen durchaus variantenreich - ausnahmslos von allen Personen auf dem Bild getragen werden, so wie fast alle auch schwarze Kleidung tragen, wobei schwarz eine der vornehmsten und teuersten Farben der Zeit war. Sie setzt einen makellosen Kontrast zum Weiss der Krägen. Diese Idee einer durchaus widersprüchlichen Verbindung von starker Individualität und gleichzeitiger Disziplinierung für eine gemeinsame Lebenspraxis in der Stadt wurde in den Niederlanden bewahrt und weitergetragen. Und auch wenn sie heute anders und variantenreicher interpretiert wird, wir können sie in einem neuen Viertel von Delft, das seit 2015 bebaut wird, deutlich sichtbar erleben.

Und in anderen Ländern, zum Beispiel in Deutschland? Die Stadt Siegen hat sich 2014 eine Gestaltungssatzung zu geben, die der Stadtentwicklung neue, vor allem ästhetische Impulse geben sollte. Nachdem man zuvor beschlossen hatte, die seit 1969 als Parkplatz genutzte, sogenannte Siegplatte über dem Fluss in der Mitte der Stadt zu entfernen, gab es sehr starke Bewegungen in der Stadtbaupolitik. Und die heute sichtbaren schönen Folgen der anschliessenden Umgestaltung beruhen auch auf der nachhaltigen Wirkung der Gestaltungssatzung, die die gesamte Innenstadt betrifft und langsam verändert. Die zentralen ästhetischen Forderungen in der Gestaltungssatzung von Siegen, beruhen alle auf der Idee einer gut wahrnehmbaren Gliederung, Proportionierung, Kleinteiligkeit.

«§ 7 Bestimmungen zur äußeren Gestaltung baulicher Anlagen

Abs. 1 Fassadengestaltung

b Bei Neubauten und Zusammenlegungen von Bestandsgebäuden in den Teilbereichen A, D und E, (damit sind gemeint: der Geschäftsbereich Oberstadt, Innerstädtische Wohnquartiere und die Historische Altstadt) die sich über mehrere Grundstücke bzw. Flurstücke oder über eine Grundstücksbreite von mehr als 12,00 m erstrecken, sind die Gebäudefronten entsprechend der ursprünglichen Flurstücksteilung (siehe Anlage 2) in einzelhausähnliche, kleinteilige Fassadenabschnitte zu gliedern. [A D E]

c Fassadenabschnitte in den Teilbereichen A, D und E müssen durch mindestens zwei der folgenden Gliederungselemente gebildet werden: Unterschiedliche Farbgebung der Fassade; vertikale oder horizontale plastische Gliederungselemente; verschiedene Brüstungselemente; unterschiedliche Brüstungshöhen der Fensteröffnungen; verschiedene Öffnungselemente zwischen den Fassadenabschnitten. [A D E]

d Fassaden von Neubauten mit einer Länge von mehr als 50,00 m sind durch architektonische Gliederungselemente (z. B. Stützen, Pfeiler, Lisenen, Rankgerüste) in Abschnitte von jeweils maximal 20,0 m vertikal zu strukturieren. Ab einer Gebäudebreite von 10,00 m ist die Fassade auch horizontal zu gliedern.»

Dass um diese Satzung natürlich gerungen wurde, sie aber dennoch zustande kam, ist erstaunlich und ein Signal dafür, dass die so oft gegen Gestaltungsatzungen ins Feld geführten Argumente, es gäbe halt sehr verschiedene individuelle Geschmäcker, jeder und jede habe abweichende Schönheitsideen und man habe ein Recht auf Freiheit in der Gestaltung des «eigenen» Hauses, überwunden werden können. Es gibt noch weitere Einflüsse, die augenblicklich die äusserst dringliche Hinwendung zu einer anderen Baukultur verhindern. Dazu gehören: eine Kapitalisierung, die Boden und Häuser in schiere Rendite Objekte verwandelt ohne Rücksicht auf ihren eigentlichen Nutzen, technische Entwicklungen, die das Haus so gross wie und so glatt wie möglich konstruieren, von der Umgebung abgekoppelt und damit angeblich klimasicher und nicht zuletzt die seit der klassischen Moderne vorherrschende Überzeugung, dass grosszügige Siedlungen von freistehenden Baukörpern der Pflege und Entwicklung enger städtischer Quartiere vorzuziehen seien.15

16 Heinz Bude, Das Gefühl der Welt Über die Macht von Stimmungen, München 2016, S. 129.

17 Carlotta Voß, Personale Demokratie. West. Plessner. Tschechow. Merkur, Deutsche Zeitschrift für europäisches Denken, Heft 922/März 2026.

Unterstützt von zwei Stimmen, möchte ich mit einem Plädoyer für eine alle Sinne ansprechende, und damit ästhetische Erhaltung /Pflege und Konstruktion der Fassaden unserer Städte und des Bildes unserer Selbst und der anderen enden. Ich möchte für eine städtische Ästhetik plädieren, die soziale Rollen und Masken genauso akzeptiert, wie die unantastbare Eigenart jeder einzelnen Person. Erst in dieser Verbindung, könnte eine Neuausrichtung / Rückgewinnung von lebenswerten Städten und Gemeinden gelingen. Und diese wiederum sind, davon bin ich überzeugt, grundlegend für unsere demokratische Verfasstheit. Heinz Bude schreibt in Das Gefühl der Welt Über die Macht von Stimmungen: «Ethisches Können hat etwas mit kommunaler Eingebettetheit, persönlichem Mut und einer Praxis der sozialen Verpflichtung zu tun.»16 Carlotta Voß schreibt im März 2026 unter dem Titel «Personale Demokratie» «[…] von der Person zu sprechen heißt, von der aufsehenerregenden Schönheit der ihr konstitutiven Potenzialität und zugleich von ihrer großen Verletzlichkeit zu sprechen. Könnte daraus wieder normative Kraft für die liberale Demokratie entstehen? Schließlich lässt sich diese als das historische Projekt begreifen, das Personalität und Individualität mit den verfassungsrechtlichen Idealen der Freiheit und Gleichheit zu regulativen Idealen erhoben hat. Die liberale Demokratie ist in dieser Perspektive eine personale Lebensform»17












Dieser Essay basiert auf dem Vortrag „Talking Heads: die sich wandelnden Gesichter der Stadt“. für den 13. Bautag an der Siegener Universität im November 2025. Die «Sprechenden Köpfe» waren als pointierte, explizit historische Einführung in das Thema des Bautages gedacht, der sich den städtischen Fassaden als herausfordernden Bereich aktueller Stadtbaupolitik widmete. Danke für die Einladung an Prof. Tobias Becker, sowie M.Sc. Christina Prochaska, die für Konzeption und Moderation zeichneten, sowie an Stephan Almasi als 1. Vorsitzendem des Fördervereins für die Unterstützung der Veranstaltung.

Daidalos empfiehlt:
Sponsor werden
Artikel 26/06
4.8.2026Bettina Köhler

Talking Heads

Gesicht oder Maske? Wie das Porträt ist auch die Fassade wichtiger Teil des Austauschs zwischen Individuum und Gesellschaft. Beide sind für Bettina Köhler essenziell für unsere demokratische Verfasstheit. lesen
26/06
Talking Heads
Artikel 26/05
29.6.2026Miquel PeiroLouise Vannes

Cultural Concierge

The Musée des Beaux-Arts in Maurepas by Titan Architects demonstrates how art and architecture contribute to the improvement of urban spaces. lesen
26/05
Cultural Concierge
Artikel 26/04
7.5.2026Philip Shelley

Die Art zu Sehen

Christopher Alexander ist vor allem bekannt für «A Pattern Language», doch sein Anliegen war radikaler: Er wollte verändern, wie wir die Welt sehen und sie gestalten. lesen
26/04
Die Art zu Sehen
Artikel 26/03
31.3.2026Virginia de Diego

Squatting the Circle

In her installation Octahydra, Batia Suter superimposes photographs and projections to create a unique spatial experience, since for the Swiss artist, one thing is clear: everything is architecture lesen
26/03
Squatting the Circle
Artikel 26/02
27.2.2026Stanislaus von Moos

Le Corbusier & der Schellen-Ursli

Nach dem Zweiten Weltkrieg liegt für Jean Dubuffet und Le Corbusier eine Romantik des Groben in der Luft. Das führt zur «Art Brut» und bei Le Corbusier zu einer Obsession für höhlenartige Räume. lesen
26/02
LC & der Schellen-Ursli II
Artikel 26/01
29.1.2026Stanislaus von Moos

Le Corbusier & der Schellen-Ursli

Im Engadiner Dörfchen Guarda gerät Le Corbusier mit Iachen Könz in Streit über Authentizität und Nachahmung. Eine Begegnung, die ihn womöglich zu einem seiner bekanntesten Bauten inspirierte. lesen
26/01
LC & der Schellen-Ursli I
Artikel 25/10
18.12.2025Terunobu Fujimori

Meine Architektur

Terunobu Fujimoris war lange Historiker. Vielleicht holen deshalb seine Bauten etwas Ursprüngliches zurück, das die Moderne hinter sich gelassen hatte. Hier erklärt er, wie und warum. lesen
25/10
Meine Architektur
Artikel 25/09
30.10.2025Max Küng

Dem Haus sei Dank

Grosse Gedanken entstehen oft in kleinen Zimmern. In einer architektonischen Selbstbetrachtung erkundet Max Küng, warum er zuerst Räume baut, in denen dann seine Geschichten entstehen. lesen
25/09
Dem Haus sei Dank
Artikel 25/08
18.9.2025Krisztina Takacs

Fragmente in Resonanz

Aldo Rossi prägte den Entwurf für eine Markthalle in Barcelona nachweislich. Krisztina Takacs spürt dem nach und erinnert daran, das die Domäne der Architektur über den Funbktionalismus hinaus reicht. lesen
25/08
Fragmente in Resonanz
Artikel 25/07
7.8.2025Giacomo Pala

Biennale in Dispute

Giacomo Pala diagnoses the Venice Biennale suffering from an confusion, which rarely fails as an event but nevertheless risks the erosion of any purpose. lesen
25/07
Biennale in Dispute
Artikel 25/06
27.6.2025Bettina Köhler

Die Konferenz der Ornamente

Bettina Köhlers frivoles Lustspiel bietet eine leichte, aber nicht minder tiefsinnige Geschichte mit alten Bekannten und durchaus überraschendem Ausgang. lesen
25/06
Konferenz der Ornamente
Artikel 25/05
29.5.2025Manuel Delgado

Covid City

Der städtische Raum wird immer mehr zu Erweiterung des häuslichen Bereichs. Was manche stört, ist für Manuel Delgado die Vermenschlichung von seelenlosen Orten, nicht zuletzt wegen der Pandemie. lesen
25/05
Covid City
Artikel 25/04
25.4.2025Moisés Puentefala

Fala #156

One of Fala's first larger projects is finished. Moisés Puente paid a visit and encountered an 'anticipatory plagiarism' that seems emblematic of a globalized design approach. lesen
25/04
Fala #156
Artikel 25/03
27.3.2025Esra AkcanPamela Karimi

Feminismus Bauen

Vor einem halben Jahrhundert setzten sich Frauen mit ihrer Rolle in der Architektur auseinander, im Iran. Ihre Sicht auf Identität, Lebensqualität und Umweltbewusstsein klingt immer noch wie eine Zukunftsvision. lesen
25/03
Feminismus Bauen
Artikel 25/02
27.2.2025Nadia Musumeci

Duplice Metamorfosi

A Pistoia Giovanni Michelucci demolisce e ricostruisce il suo stesso edificio. La mancanza di pretese riguardo alla propria autorialità rivela un modo particolare di intendere l’etica e il design. lesen
25/02
Duplice Metamorfosi
Artikel 25/01
24.1.2025Joachim BrohmRegina Bittner

Dessau 1989/90

Im Jahr des Umbruchs besuchte Joachim Brohm Dessau und fotografierte die Ikonen des Bauhauses in einem fragilen Moment zwischen bewegter Geschichte und ungewisser Zukunft. lesen
25/01
Dessau 1989/90
Artikel 24/11
21.12.2024Sylvia ClausJonathan Metzner

Platte postmodern

Unüberhörbare Kritik an der Sozialistischen Stadt führte in der DDR zu einer Anpassung der Plattenbauweise, die der Postmoderne jenseits des Eisernen Vorhangs ähnlich war. lesen
24/11
Platte postmodern
Artikel 24/10
25.10.2024Leïla el-Wakil

Rebel Bricoleur

Dans Marcel Lachat, Leïla El-Wakil dresse le portrait d'un «anarchitecte» qui, jeune père de famille, résout le problème du logement de sa famille par sa désobéissance résolue. lesen
24/10
Rebel Bricoleur
Artikel 24/09
26.9.2024Andreea Mihaela Chircă

The Body of Space

From the numerous forms that space could be modelled in, Luigi Moretti's method of giving concreteness and corporeality to the unbuilt constituted a particular way of looking at architecture. lesen
24/09
The Body of Space
Artikel 24/08
30.8.2024Matthias Moroder

Hermann Czech

Matthias Moroder besuchte den Wiener Architekten in dessen Atelier und sprach mit ihm über die Postmodernen, Plagiate und das Zusammenspiel von Entwerfen und Schreiben.    lesen
24/08
Hermann Czech
Artikel 24/07
23.7.2024Oisin Spain

The Lunar City

The first glimpses through telescopes revealed life beyond Earth, as evident traces of architecture and gigantic cities were detected on the surfaces of our interstellar neighbors. lesen
24/07
The Lunar City
Artikel 24/06
27.6.2024Daniela Spiegel

Das Denkmal des Dorian Gray

Um sie langfristig zu bewahren, müssen die Ikonen der Moderne entmystifiziert werden, denn ewiges Leben bedeutet nicht zwingend ewige Jugend. lesen
24/06
Dorian Gray
Artikel 24/05
29.5.2024Giacomo Pala

Do Blue Roses Wilt?

On the 100th anniversary of Andre Breton's Manifesto of Surrealism, Giacomo Pala wonders whether its Blue Roses have wilted or whether yesterdays avant-garde is today's vernacular. lesen
24/05
Do Blue Roses Wilt?
Artikel 24/04
25.4.2024Tibor Joanelly

Folge der Leiter!

Kazuo Shinoharas Urban Turn lässt dessen Bauten zu Stadtlandschaften werden, in denen sich mit der Bewegung und Wahrnehmung auch die Wirkung von Raum und Zeit überblenden. lesen
24/04
Folge der Leiter! II
Artikel 24/03
22.3.2024Tibor Joanelly

Folge der Leiter!

In seinen Überlegungen zu Kazuo Shinohara begegnet Tibor Joanelly neben Paul Cézanne auch der Dritten Person im Werk des japanischen Meisters. lesen
24/03
Folge der Leiter! I
Artikel 24/02
23.2.2024Dieter Geissbühler

Absehbare Vergänglichkeit

Hinter der Fassade der Mall of Switzerland wittert Dieter Geissbühler die Ästhetik der Ruine. Diese erstickt jedoch in gestalterischer Belanglosigkeit. lesen
24/02
Absehbare Vergänglichkeit
Artikel 24/01
18.1.2024Ana Catarina Silva

Housing. Not flats

Architect Philipp Esch spoke to Ana Catarina Silva about undetermined spaces, architecture as a process and beauty as the most enduring measure of sustainability. lesen
24/01
Housing. Not flats
Artikel 23/11
14.12.2023Jorge Melguizo

Medellín

Once the most dangerous city in the world, Medellín became a model for urban change. Its architecture is the image of what is even more important. lesen
23/11
Medellín
Artikel 23/10
27.10.2023Savatore Dellaria

The Southgate Myth

Built and demolished within less than thirty years, Stirling's Southgate Estate stands for what it was planned for and against which it had to fail: Britain's neoliberalism. lesen
23/10
The Southgate Myth
Artikel 23/09
26.9.2023Randa A. Mahmoud

Lost in Gourna

Hassan Fathy was brilliant and visionary, but an early project was strongly rejected by its residents. Randa A. Mahmoud studied Gourna to get behind the paradox of Egypt's Great Architect. lesen
23/09
Lost in Gourna
Artikel 23/08
29.8.2023Grisi Ganzer

Pandoras Boxen

Grisi Ganzers Erlebnisbericht über die Kollaboration im Deutschen Pavillon der Architekturbiennale schildert Eindrücke und Erfahrungen rund um den Bau einer Bar für das Kulturzentrum Pandora. lesen
23/08
Pandoras Boxen
Artikel 23/07
27.7.2023Bart Lootsma

Diffusionen

Textbasiert generiert KI realitische Bilder mit diffusem Urspung. Unperfekt und ergebnisoffen irritieren diese unser ästhetisches Empfinden und verändern die gesamte visuelle Kultur. lesen
23/07
Diffusionen
Artikel 23/06
28.6.2023Denis Andernach

Andernach's Häuser

Frei von Zwängen zeichnet Denis Andernach seine Häuser als pure Architekturen in menschenleere Landschaften. Elementare Formen vereint er dabei mit erdachten Nutzungen. lesen
23/06
Andernach's Häuser
Artikel 23/05
24.5.2023Pedro Gadanho

Learning from Hippie Modernism

An environmental avant-garde grew out of the resistance against the post-war society of the late 1960s. While their efforts were derided as esoteric, time has come to learn from their approaches. lesen
23/05
Hippie Modernism
Artikel 23/04
27.4.2023Giacomo Pala

Pineapple Modernity

The intersection of globalization and modernity: the pineapple and the emergence of a new architectural paradigm since the 18th century. lesen
23/04
Pineapple Modernity
Artikel 23/03
29.3.2023Claudia Kromrei

Case come noi

Eine Insel, drei Schriftsteller und drei Häuser, in denen sie lebten, liebten und arbeiteten. In Capris Idylle entfalten die Bauten die Persönlichkeit ihrer Erbauer und inszenieren deren Selbstverliebtheit. … lesen
23/03
Case come noi
Artikel 23/02
23.2.2023Bahar Avanoğlu

[Un]built

Separating "unbuilt" architecture from the one "not built", Raimund Abraham's oeuvre is a vital reminder of architecture as a work of memory and desire and as an independent art of building the [Un]built. lesen
23/02
[Un]built
Artikel 23/01
18.1.2023Wolfgang Bachmann

Neuland

Eine Exkursion in eine unbekannte Gegend: In seinem Reisebericht über die Lausitz erzählt Wolfgang Bachmann von Kulissen der DDR, ihrer westlastigen Aufarbeitung - und barocker Prächtigkeit. lesen
23/01
Neuland
Artikel 22/07
23.11.2022Bettina Köhler

Liebe du Arsch!

Kann man Häuser wegwerfen? Kann man Ignoranz, Gier und Resignation überwinden? Hilft Liebe? Bettina Köhler bejaht diese Fragen und spürt der Schönheit als Hüterin der Dauerhaftigkeit nach. lesen
22/07
Liebe du Arsch!
Artikel 22/06
19.10.2022Fala

Fala meets Siza

Fala and Álvaro Siza are bound by origins but separated by age. In a personal encounter, the 89-year-old Pritzker Prize winner talks about that which is still reflected in Fala's own work today. lesen
22/06
Fala meets Siza
Artikel 22/05
22.9.2022Anna Beeke

Trailer Treasures

Within mobile home parks, Anna Beeke encounters a clear desire for individualized place. In her photographs she shows how prefabricated units are the same, but different. lesen
22/05
Trailer Treasures
Artikel 22/04
20.8.2022Mario Rinke

Offene Meta-Landschaften

Mario Rinke plädiert für Tragwerke, die nicht für eine Nutzung, sondern aus dem Ort heraus erdacht werden. In diesen Meta-Landschaften können sich Architekturen episodenhaft ereignen. lesen
22/04
Offene Meta-Landschaften
Artikel 22/03
1.7.2022Virginia de Diego
caption

Reductio ad absurdum

Through deliberate destruction a former bunker can be preserved. Its relevance is created out ouf its absurdity. lesen
22/03
Reductio ad absurdum
Artikel 22/02
1.7.2022Jerome BeckerMatthias Moroder

The balance of chaos and structure

In conversation with Jerome Becker and Matthias Moroder, Marc Leschelier emphasises his aversion to functionalism and stresses the importance of architecture as a form of expression. lesen
22/02
Chaos and Structure
Artikel 22/01
1.7.2022Gerrit Confurius
Teatro di Marcello, Rom, Giovanni Battista Piranesi (1720-1778), ca. 1757

Permanenz als Prinzip

Gerrit Confurius erinnert sich an das Ende der gedruckten Ausgabe von Daidalos und empfiehlt das Prinzip der Permanenz als Strategie auch für die zukünftigen Aufgaben der Architektur. lesen
22/01
Permanenz als Prinzip